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Export schweizerischer Zündhölzer nach Deutschland

In der schweizerischen Statistik des Warenverkehrs1 ist zu sehen, dass die hiesige Zündholzindustrie bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts Zündhölzer sowohl exportiert wie auch importiert hat. Die in dieser Statistik ausgewiesenen Mengen und Werte basieren auf dem Geschehen am Zoll. Es lässt sich daraus leider nicht ermitteln, welche Fabrik beim Export tätig gewesen ist.

Dank amtlicher Unterlagen2 im Zusammenhang mit der deutschen Steuergesetzgebung, wie auch der Sammlung von Sfr. Winner lassen sich für die Zeit zwischen 1927 und 1939 in das schweizerische Exportgeschehen nach Deutschland bestimmte Einblicke erzielen.

Die Ausführungsbestimmungen zum Zündwarensteuergesetz vom 9. Juli 1923 sahen vor, dass alle Packungen von Zündhölzer, die in Deutschland zum Vertrieb kamen, mit einer Unterscheidungsnummer versehen sein mussten.

Der deutsche Reichsminister der Finanzen bestimmte in seinem Schreiben vom 31.08.1923 u.a. folgendes:

"Anträge ausländischer Zündwarenherstellungsbetriebe auf Zuteilung von Unterscheidungsnummern sind hierher vorzulegen."

Für ausländische Hersteller ist dafür der Nummernkreis ab 800 reserviert worden. Einige dieser Zuteilungen2 betreffen auch schweizerische Firmen. Die Nummer 805 ist am 8.3.1927 der Firma Zündholz-Kontor in Bern zugeteilt worden. Die Nummer 808 am 8.8.1928 und die Nummer 809 am 6.9.1928 der Firma Aktiengesellschaft Ladoc in Genf. Die Nummer 810 am 18.7.1929 dem Fabrikanten Dr. Hans Grossmann in Bollingen.

Export nach Deutschland laut Statistik des Warenverkehrs der Schweiz mit dem Ausland in Q (= 100kg)
1927 1928 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 1936 1937 1939
219 361 393 163 0 0 1 2 3 2 1 1

Über die einzelnen Firmen, die in Deutschland Export-Unterscheidungsnummern beantragt haben, ist uns folgendes bekannt:

Zündholzkontor in Bern

Über diese Firma wissen wir sehr wenig, denn sie war nicht im schweizerischen Firmenregister angemeldet. Jedenfalls mittels dieses Unternehmen exportierte3 die Zündholzfabrik des Hans Zumstein Sohn in Düdingen, Kanton Freiburg. Diese Fabrik war ausschliesslich auf die Fertigung von Buchzündern spezialisiert und bestand ab 1924 bis ca. 1945. Es handelte sich beim Export nach Deutschland um Reklame-Buchzünder verschiedener Art. Auf deutscher Seite sind uns dank der Aufschriften auf den Buchzündern einige Vertriebsfirmen bekannt. Es handelt sich hier um die Firmen:

Zündholzkontor Wehrenberg & Koehling, Kaiser-Wilhelmstrasse 82, Hamburg 36, wobei diese Firma auch Buchzünder unter Verwendung ihrer Eigenmarke WK-WEKOE importierte.

Erich Stern, Frankfurt a.M., Weberstrasse 69, auch hier ist die Eigenmarke Stern Hölzer verwendet worden.

Die Tätigkeit des Zündholzkontors Bern muss von kurzer Dauer gewesen sein, denn bereits 1928 ist der Vertrieb von Buchzündern der Zündholzfabrik Hans Zumstein Sohn seitens der LADOC übernommen worden.

Aktiengesellschaft LADOC/LASTAR in Genf

Die Aktiengesellschaft Ladoc4 ist am 14.8.1920 in Genf gegründet worden. Im Jahr 1932 kommt es zur Fusion mit der seit dem 26.1.1926 bestehenden Aktiengesellschaft Lascar S.A./Lastar S.A. (ab 26.11.1927). Die amtliche Übertragung von 4 Warenzeichen der ehemaligen Ladoc S.A. auf die Firma Lastar erfolgte zum 6.10.1932. So gesehen dürften Exporte mit der Unterscheidungsnummer 808 und 809 bloss ab 1928 bis 1930 erfolgt sein, was auch in der Exporttabelle zu sehen ist. Weswegen Ladoc zwei Unterscheidungsnummern beantragt hat, ist bei zum Vergleich fehlenden Etiketten bzw. Buchzündern nicht zu klären. Die Aktiengesellschaft Lastar S.A. ist zum 3.7.1939 aufgelöst worden. Nach ihren Statuten war die Aktiengesellschaft Ladoc eine reine Handelsgesellschaft.

Auch Lascar gab nach der Gründung zunächst als Tätigkeit Handel mit Reklame-Artikeln an. Erst im Jahr 1934 erscheint die Bezeichnung Fabrique d'Allumettes Lastar S.A. Vermutlich sind hier aber niemals Zündhölzer gefertigt worden, dennoch sind uns sowohl Etiketten und Buchzünder mit der Bezeichnung Ladoc/Lastar bekannt. Während5 Buchzünder, ausser von Zumstein, aus Österreich und später aus Frankreich importiert wurden, stammte die Schachtelware aus heimischen Zündholzfabriken und während einer kurzen Phase auch aus der slowakischen Zündholzfabrik in Banska Bystryca. Vermutlich bezog die Firma Ladoc/Lastar von etablierten Zündholzfabriken nicht etikettierte Zündholzschachteln, auf die dann eigene Etiketten aufgeklebt worden sind. Es existiert eine Anzahl Etiketten, die noch im druckfrischen Zustand sowohl mit oder auch ohne Gummierung sind. Besonders selten sind die grossformatigen Etiketten für Zehnerpackungen. Die genauen Abläufe bei diesen Aktiengesellschaften müssen noch geklärt werden.

Dr. Hans Grossmann in Bollingen, Kanton St.Gallen

Dr. Hans Grossmann aus Zürich gründete4 am 6.10.1930 in Bollingen-Jona in der Villa Sorpresa eine Ziehzünderfabrik. Mit Blick auf diese zukünftige Produktion von Ziehzündern ist wahrscheinlich auch der Antrag auf Erteilung der Unterscheidungsnummer gestellt worden. Die Firma in Bollingen-Jona besteht bloss bis 1935, wo sie in den Konkurs geht. Dr. Hans Grossmann soll ausser3 Ziehzündern auch die "Pillen"-Zünder (pellet matches) und andere Zündhilfen gefertigt haben. Bereits vor dem Konkurs der ersten Fabrik ist Dr. Grossmann am 17.8.1933 bei der Gründung der Firma Patentzünder Aktiengesellschaft4 beteiligt, die ihr Geschäftslokal in seinen Räumen in Bollingen-Jona hat. Die neue Gesellschaft übernimmt von der Patentzünder-Union A.G. in Vaduz eine komplette automatisch arbeitende Ziehzünderanlage. Im Jahr 1935 wird der Sitz der Gesellschaft nach Rapperswil verlegt, wo sie im Jahr 1937 liquidiert wird.

Der Name Dr. Hans Grossmann, Chemiker, von Zürich in Bollingen-Jona erscheint erneut am 23.4.1930, wo er als Verwaltungsratsmitglied der Phosp A.G. ausgewiesen wird. Diese ist bereits 1928 in Glarus gegründet worden mit dem Ziel der Fabrikation von Zündhölzern und Schachteln gemäss den Erfindungspatenten von Dr. Grossmann. Auch die Gesellschaft Phosp A.G. meldet 1937 Konkurs an.

Mit Ziehzündern, deren Vorrat samt Ständer im Museum präsent ist, beschäftigten sich wahrscheinlich noch andere Firmen.


Dieter Weigelt, November 2001




Quellenmaterial:

1. Statistik des Warenverkehrs der Schweiz mit dem Ausland, Bern, verschiedene Jahrgänge

2. Staatsarchiv Breslau/Wroclaw, Polen, Akten Oberfinanzpräsident Niederschlesien, Signatur 3724

3. Axel Winner, Altena, nicht publizierte Hinweise

4. Schweizerisches Handelsblatt, Zürich, verschiedene Jahrgänge

5. Axel Winner, Alt-Schweiz, Alte Schachtel Nr. 4/1987