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Mit Feuereifer Zündhölzchen sammeln

Zündholzschachteln, -briefchen und -etiketten entflammen Beat Wassers Leidenschaft. Er besitzt eine der grössten Sammlungen der Schweiz und will mit seinen Kollegen ein Museum eröffnen.


Eine der komplettesten Russischen Zündholzsammlungen von 1950 bis 1995 befindet sich in Oftringen. In einem Kasten im Keller des Ein-kaufszentrums eo stehen unzählige Ordner mit aufgeklebten, fein säuberlich katalogisierten Zündholzbriefchen und -schachteln. Vorsichtig blättert Beat Wasser die Papierbögen um, zeigt da und dort auf ein ganz besonderes Sujet. Der 52-jährige Maschinenschlosser kennt sich aber nicht nur bei den kyrillisch angeschriebenen Zünd-holzverpackungen aus. Er besitzt selber eine der grössten Sammlungen der Schweiz. Rund eine Million Zündholzschachteln und Zündholzbriefli nennt er sein Eigen. „Zum Sammeln muss man geboren sein“, sagt Wasser, der bereits als kleiner Junge keine Zündholzschachteln weg-werfen konnte. Kaufen aber auch nicht, wie er betont. Aufgewachsen in Hirschthal neben einem Restaurant habe er seine ersten Trouvaillen von den Gästen erhalten.

Wasser hat seine Zündholzbriefli gestreckt gesammelt. Das heisst, er hat Klammern und Zündhölzer entfernt, und die geöffneten Briefli in Alben geklebt. „Mein Zimmer wäre sonst schon bald zu klein gewesen“, sagt er. Und zudem müsse man den Überblick behalten können. Den hat Beat Wasser auch heute noch. Im eo-Keller lagern nicht nur die russischen, sondern insgesamt rund eine halbe Million Zündholz-etiketten, -schachteln und -briefli. Metallfässer und Kunststoff-kisten sind randvoll, aber bereits nach Gebieten geordnet. Restaurants, Versicherungen, Garagen, Tourismus, jede der unzähligen Sparten hat einen eigenen Behälter. Das reiche aber nicht, sagt Wasser. Jedes der Sammelobjekte müsse im Computer gespeichert, katalogisiert werden. Für Sicherheit sorgen eine Sprinkleranlage und Feuerlöscher.

Das Ordnen der Zündholzschachteln erledigt Wasser nicht allein. „Das wäre unmöglich“, betont er. Und nur zum Plausch sitzt er mit seinen fünf Kollegen auch nicht tagelang im Kellerraum. Mit dem Sortieren der Sammelobjekte verfolgen sie ein Ziel. Sie möchten das erste Zündholz-Museum der Schweiz eröffnen. „Die Idee stammt nicht von uns“, so Wasser. Sein im Frühjahr 1999 verstorbene Sammlerkollege Konrad Nef aus Teufen habe ihm eine rund 100'000 Stück umfassende Sammlung vermacht. Aber nicht nur. Der Verstorbene hatte testamentarisch bestimmt, dass 5,5 Millionen Franken seiner Hinterlassenschaft in ein Museum über das Zündholzwesen fliessen. Ein Projekt, das viel Arbeit und Planung voraussetzt. Darum haben Wasser und seine Kollegen im Herbst 1999 die Konrad-Nef-Stiftung und im Juni diesen Jahres den Sammlerclub gegründet.

Seit rund zwei Jahren sind die sechs Kollegen auf der Suche nach einem geeigneten Haus. „Es darf nicht zu klein sein“, erklärt Wasser. Denn auch die im Sommer in Polen eingekaufte Zündholzmaschinen wollen die ehrgeizigen Sammler aufstellen. „Das Zündholzmuseum muss für die Besucher ein spannender Ausflug in eine ihnen vielleicht bis dahin unbekannte Welt sein“, so Wasser. Noch sind die zukünftigen Museumsbetreiber betreffend Liegenschaft nicht fündig geworden. Über ein sich in der engeren Auswahl befindendes Objekt im Kanton Aargau will Wasser noch nichts sagen. Es sei noch nicht spruchreif.

Den Grossteil seiner Freizeit verbringt Wasser mit seinen Sammelobjekten. „Ich lebe für sie“, sagt er, der keine Kinder hat. Seine Frau unterstütze ihn, finde ebenfalls Gefallen an seinem Hobby. Einem brotlosen, aber umso spannenderen, denn mit Geld habe das alles gar nichts zu tun, betont er. Die meisten Zündholzschachteln und -briefchen habe er gratis bekommen. An Börsen würden seltenere Exemplare mit bis zu 40 Franken pro Stück gehandelt. Das würde er aber nicht bezahlen. Wassers Stolz ist ein schwedisches Zündholzetikett das einen Wert von rund 300 Franken hat. „Unwichtig“, so der Sammler. Viel mehr freue er sich an den schönen Bildchen, oder wenn er eine Serie komplettiert habe.

Wasser rechnet damit, dass die rund 500'000 Zündholzschachteln noch etwa zwei bis drei Jahre im eo-Keller lagern werden. Bis dahin soll eine genügend grosse und auch finanzierbare Liegenschaft gefunden sein. Die Vorbereitungen laufen auf verschiedenen Ebenen auf Hochtouren. So hat das erste Zündholzmuseum der Schweiz bereits vor seiner Eröffnung eine eigene Homepage.

Unter www.zuendholzmuseum.ch stellen Wasser und seine Kollegen das ehrgeizige Projekt vor.

von Esther Widmer 28. August 2002